Zuckersüße Optik, abwechslungsreiches Leveldesign: Das erste Yoshi-Spiel für die Switch-Konsole ist ein tolles Abenteuer für die ganze Familie. Und dank einem ausgefeilten Schwierigkeitsgrad ist es besonders für jüngere Spieler gut geeignet.
Aufregung auf der friedlichen Insel der Yoshis: Der Zauberer Kamek und der fiese Baby-Bowser wollen die strahlende Traumsonne klauen. Denn, so heißt es, sie hat die Macht, Wünsche wahr werden zu lassen. Beim Versuch der Yoshis, das wertvolle Stück zu verteidigen, wird es beschädigt und verliert seine Traumjuwelen in der Yoshi-Welt. Jetzt gilt es, die fünf verloren gegangenen Teile wieder zu finden – und zwar vor den beiden Bösewichten.
Das ist die simple Geschichte, die Nintendos „Yoshi’s Crafted World“ zugrunde liegt und uns in ein zuckersüßes Abenteuer in einer Welt aus diversen Bastelmaterialien führt. Das Spiel ist eine Mischung aus Jump’n Run und Geschicklichkeit. Die einzelnen Level bestehen aus Kartons, Papier, Plastikbechern, Tischdecken oder Garn. Hübsch in Szene gesetzt kommen dabei grüne Wiesen, Strandkulissen, Eisenbahnfahrten oder Dschungelwelten heraus. Sie sind aufgebaut wie ein von Kindern gebastelter Schaukasten – und sehen dank der schönen Grafik auch wirklich so aus.
Der Clou: Die Level sind von mehreren Seiten begehbar. Eben so, wie in einem echten Diorama. Wir bewegen Yoshi also nicht – wie in einem Jump’n Run so üblich – einfach von links nach rechts, sondern auch mal nach vorne oder hinten, nach oben und unten. Immer wieder wechselt die Perspektive.
Jedes Level kann zudem ein zweites Mal gespielt werden, nämlich falsch herum von der anderen Seite. Dann sehen wir die Rückwand der Pappmache-Bauten. Was von vorne noch wie ein Kaktus aussah, offenbart sich nun als Cornflakes-Schachtel. Die Liebe zum Detail, die die Entwickler hier an den Tag legen, amüsiert und erstaunt.
Auf der Suche nach Grinseblumen
Yoshi rennt durch die Welt wie Super Mario. Er springt von einer Plattform zur anderen und stampft Gegnern auf den Kopf, um sie unschädlich zu machen. Mit seiner Zunge kann Yoshi die drolligen Feinde verschlucken und in Eier umwandeln, die dann als Wurfgeschoss dienen. In der Karton-Welt gibt es zahlreiche Objekte, die wir mit den Eiern treffen können, um so wertvolle Gegenstände einzuheimsen. Manches liegt im Hintergrund versteckt, anderes taucht direkt vor Yoshis Nase auf.
Der Spieler muss stets aufmerksam sein, um alle Items zu entdecken. Dazu zählen sogenannte Grinseblumen, die wir sammeln müssen, um weitere Level freizuschalten. Denn erst eine gewisse Anzahl dieser Blumen öffnet uns nach und nach die Tore zu den Fundorten der Traumjuwelen. In den Leveln warten verschiedene Herausforderungen, an deren Ende eine solche Grinseblume winkt.
Eine Status-Anzeige gibt an, ob wir innerhalb einer Welt bereits alle Blumen gefunden haben. Das ist zwar kein Muss, um das Spiel zu beenden, aber eine Herausforderung für ehrgeizige Spieler.
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Jedes Level wartet mit seinen Eigenheiten auf. Das macht das Yoshi-Abenteuer sehr abwechslungsreich. Zu Beginn erwarten uns noch gemächliche Hüpfpassagen, später werden gute Reaktionsfähigkeit und das richtige Timing immer wichtiger, um nicht im Abgrund zu landen, Gegnern auszuweichen oder ein seltenes Item abzustauben.
Die Aufgaben wechseln sich gelungen ab. Mal reitet Yoshi auf dem Rücken von Hund Schnuffel, mal sitzt er an Bord einer Lokomotive oder hangelt sich an Garn entlang. Es gibt immer wieder etwas Neues zu tun und dabei viel zu entdecken. Gerade in dieser Hinsicht punktet das Abenteuerspiel gewaltig. Die raffiniert gestalteten Level locken immer wieder an die Konsole, Langeweile kommt niemals auf. Die Welten sind liebevoll gestaltet und mit etlichen optischen und spielerischen Gimmicks ausgeschmückt. Auch beim Gegner-Design waren die Entwickler kreativ und lassen sowohl bekannte Figuren aus den „Super Mario“-Spielen auf Yoshi los als auch neue Bösewichte – zum Beispiel eine scheinbar endlos lange Schlange aus Pappe, die uns durch ein Level verfolgt.
Ach so, gegen Kamek und Baby-Bowser müssen wir uns natürlich auch behaupten. Im Spiel gibt es mehrere dieser Endgegner-Kämpfe, in denen sich die beiden Fieslinge stets eine neue Gemeinheit einfallen lassen, um Yoshi das Leben schwer zu machen. Da wird dann schon mal ein Zug mit Zauberei kreiert und zum Leben erweckt, der dann aber so gar nicht gut auf den Dino zu sprechen ist…
Per Knopfdruck wird das Spiel einfacher
Der Schwierigkeitsgrad des Spiels ist sowohl für Einsteiger als auch geübte Spieler angemessen. Das liegt an zwei Dingen: Zum einen ist die Lernkurve hervorragend angepasst. Die Herausforderungen ziehen nach und nach an, sodass der Spieler für „die harten Nüsse“ später gut geübt ist. Außerdem können wir jederzeit in den sogenannten „Entspannten“-Modus wechseln. In diesem ist das Spiel wesentlich einfacher: Yoshi kann dauerhaft fliegen, er steckt deutlich mehr Treffer ein und manche Level sind etwas einfacher aufgebaut. Praktisch: Wem eine Passage mal zu schwer ist, schaltet diesen Modus ein und danach wieder aus. Eine geniale Funktion, gerade für jüngere Spieler!
Nicht minder genial ist der Zweispielermodus. Dabei meistern wir das Abenteuer gemeinsam mit einem Freund. Während ein Spieler sich um die Gegner kümmert, sucht der andere nach Münzen oder Schaltern. Auch hier ist es jederzeit möglich, von einem Spieler auf zwei umzuschalten.
Wer zu zweit spielen will, braucht lediglich pro Spieler einen Joy-Con. Das heißt, bereits mit der Grundausstattung der Switch-Konsole ist das möglich. Allerdings hat sich im Test gezeigt, dass die Steuerung mit dem Pro Controller deutlich angenehmer ist und Manöver mit Yoshi wesentlich präziser gelingen. Wer das Abenteuer also voll genießen möchte, sollte zum „richtigen“ Controller greifen.

Grafisch ist „Yoshi’s Crafted World“ absolut gelungen. Die Level aus Bastelmaterial wirken sehr plastisch und überall haben die Entwickler hübsche Details eingebaut. Die ganze Inszenierung des Spiels ist hervorzuheben – bereits die putzigen Bewegungen und Gestiken von Yoshi sind hinreißend. Für Lacher sorgen neben den zum Teil tollpatschig agierenden Gegnern auch die kurzen Zwischensequenzen mit Kamek und Baby-Bowser. Die beiden sind sich auf ihrer dilettantischen Juwelensuche nämlich immer wieder uneins, wer eigentlich das Sagen hat…
Nicht so gelungen ist dagegen die musikalische Untermalung. Meist düdelt nämlich immer dieselbe Melodie vor sich her, die sich auch noch schnell wiederholt. Da ist man von Nintendo-Spielen besseres gewohnt. Dafür überzeugen die putzigen Soundeffekte. Wenn der kleine Dino sein herzallerliebstes „Yoshiiiiiiii“ ruft, schmilzt jeder Spieler vor der Konsole dahin!